Mittwoch, 1. Dezember 2021

Neue Berechnung: In Deutschland werden Dreiviertel der Corona-Infektionen von Ungeimpften ausgelöst (NZZ)

Neue Berechnung: In Deutschland werden Dreiviertel der Corona-Infektionen von Ungeimpften ausgelöst (NZZ)

Die Ungeimpften treiben derzeit die Pandemie an. Das hat Auswirkungen auf die Massnahmen zur Viruseindämmung.
Stephanie Lahrtz 01.12.2021, 05.30 Uhr
Nachrichten und Studiendaten über zunehmende Impfdurchbrüche und abnehmende Impfeffektivität lassen die Frage aufkommen, ob denn Impfen überhaupt noch einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Pandemie hat. Unbestritten ist, dass die Impfung die allermeisten Personen über mehrere Monate hinweg vor einem schweren Covid-19-Verlauf schützt. Eine neue Studie von Berliner und Erfurter Forschern zeigt nun, in welchem Ausmass Ungeimpfte und Durchbruchinfektionen zu den steil ansteigenden Neuinfektionen beitragen, die Deutschland seit einigen Wochen vermeldet. 

Forscher um Dirk Brockmann von der Humboldt-Universität in Berlin haben Berechnungen für den Zeitraum 11. Oktober bis 4. November durchgeführt. Die Daten liegt nun als noch nicht begutachtete Publikation vor. Die Autoren kommen dort zu einer eindeutigen Antwort: 67 bis 76 Prozent aller Neuinfektionen werden durch Ungeimpfte verursacht.
Erkenntnisse könnten auch für andere Länder gelten
Entgegen allen anderslautenden Behauptungen von Impfskeptikern und Corona-Leugnern wird also derzeit die Pandemie in Deutschland vor allem durch Ungeimpfte angetrieben. Auch für andere Länder, die eine ähnliche Dynamik des Infektionsgeschehens sowie vergleichbare Impfquoten wie Deutschland aufwiesen, dürften die Aussagen der vorgelegten Modellierung gelten, sind die Wissenschafter überzeugt. 

Sie haben eine Vielzahl von Faktoren in ihre Berechnungen einbezogen. Dazu zählen die Effektivität des Impfstoffs, wie lange Geimpfte und Ungeimpfte das Coronavirus nach einer Infektion weitergeben oder wie viele Kontakte es in der Bevölkerung im Beobachtungszeitraum gab. Zudem wurden die Altersstruktur und die Impfquote beachtet.
Zwei Szenarien mit unterschiedlicher Impfeffektivität
Da es für den wichtigen Parameter Impfeffektivität derzeit nur Schätzungen gibt, haben die Wissenschafter zwei Szenarien entworfen. Das erste geht davon aus, dass die Impfungen im Beobachtungszeitraum zu 92 bis 72 Prozent vor einer Ansteckung schützten, je nach Altersgruppe. Das zweite berücksichtigt eine Impfeffektivität von nur noch 60 bis 50 Prozent. Vergleiche mit dem bisherigen Verlauf der Pandemie hätten gezeigt, dass das erste Szenario der Realität gut entspreche, schreiben die Autoren.
Somit ist davon auszugehen, dass derzeit gut 51 Prozent (im zweiten Szenario 38) der Ansteckungen zwischen Ungeimpften stattfinden. Zudem überträgt in rund einem weiteren Viertel aller Infektionen ein Ungeimpfter das Virus auf einen Geimpften. Aber nur in 15 bis 17 Prozent der Fälle ist es andersherum. Das Fazit der Forscher: In 91 (84) von 100 Infektionen ist ein Ungeimpfter beteiligt, meist geht die Infektion von diesem aus.
Bis zu Dreiviertel aller Infektionen gehen von Ungeimpften aus
Das bedeute, dass eine Minderheit der Gesellschaft, nämlich das gute Drittel der Ungeimpften, nicht nur einen grossen Anteil an den hohen Infektionszahlen habe, betonen die Forscher. Zudem verursachten vornehmlich die Ungeimpften die Krise des Gesundheitssystems mit voll ausgelasteten oder gar überlasteten Intensivstationen. Um die Spitäler wieder zu entlasten, muss die Virusübertragung zwischen Ungeimpften um 22 bis 25 Prozent reduziert werden, so die Modellrechnungen. Allein das würde die Reproduktionszahl unter den magischen Wert von 1 drücken. Ein R-Wert unter 1 bedeutet, dass sich das Virus nicht mehr exponentiell ausbreiten kann und somit die Pandemie unter Kontrolle ist. Wenn dies realisiert würde, müssten die Ungeimpften keine weiteren Einschränkungen hinnehmen, sagen die Wissenschafter. Ohnehin würden sich Massnahmen bei den Ungeimpften stärker auf den R-Wert auswirken als solche, die auch Geimpfte beträfen.Die Studie listet allerdings nicht im Detail auf, welche Massnahmen zur Virusübertragung nun ergriffen werden sollten. Die Autoren betonen jedoch, wie wichtig schnelle Booster-Impfungen zur Senkung des R-Werts seien. Dauerhaft unter 1 drücken könnte man den R-Wert, wenn 90 Prozent der Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren vollständig geimpft wären.

Dienstag, 30. November 2021

Ich will nicht links und nicht rechts regiert werden, sondern vernünftig.

Gabor Steingart im Morningbriefing am 01.10.2021

Ich will nicht links und nicht rechts regiert werden, sondern vernünftig.

Ich wünsche mir Politiker ohne feuchte Aussprache, Menschen, die weder schreien noch säuseln, sondern die vernünftig mit der Bürgergesellschaft sprechen. Ich wünsche mir ein Programm, das weder nostalgisch noch futuristisch, sondern realistisch ist. Die geistige Gründungsfigur aller Vernünftigen kann nicht Karl Marx, kann nicht der Papst, und kann auch nicht Greta Thunberg sein. Immanuel Kant, der sich an den vernunftbegabten Menschen wandte, wäre der Gesellschaft bekömmlicher:

Sapere aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!

Und so ist denn zu Beginn der Nach-Merkel-Zeit und vor dem Start der Koalitionsverhandlungen vielleicht eine gute Gelegenheit, an jene sechs Dinge zu erinnern, auf die sich vernünftige Menschen in wenigen Minuten werden verständigen können:

1. Unser Staatsapparat ist ein Prahlhans, der nicht liefert. Die Internetverbindungen sind lausig, die Bahn ist überfordert, die Schulen befinden sich in einem bemitleidenswerten Zustand. Die Schulden bewegen sich auf Rekordhöhe und man fragt sich, wer bitte schön das viele Geld in welchem Loch verbuddelt hat. Dieser Staat muss reformiert werden, sonst kann er diesem Land im 21. Jahrhundert keinen Dienst erweisen.

2. Die kommende Regierung muss ihre Arbeit mit einer ökonomisch präzisen Analyse beginnen. Dieses Deutschland erlebt – ohne, dass die Spitzen der Parteien das zur Kenntnis nehmen – seit vielen Jahren seinen Abstieg, relativ zu den anderen großen Wirtschaftsmächten dieser Welt. Bald wird ein einzelner US-Bundesstaat, Kalifornien nämlich, mehr Wohlstand erzeugen als die doppelt so große Bundesrepublik.

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Montag, 22. November 2021

Gesundheitssystem überfordert?

 Gesundheitssystem überfordert?

Ja es scheint so, dass unser Gesundheitssystem überfordert ist und dringend reformiert werden muss. Wie labil es ist, zeigt die Tatsache des Personal- und Bettenmangels auf den Intensivstationen mit der Folge, dass die Lage heute bedrohlicher als vor Beginn der Impfkampagne ist.
In den letzten Tagen häuften sich die Warnungen vor überfüllten Krankenhäusern und überlasteten Intensivstationen.
Dabei befinden sich deutlich weniger Corona-Patienten auf den Intensivstationen als im Frühjahr, als die Kranken-häuser über ähnliche Engpässe berichtet hatten. Sind die Klagen also unberechtigt?

Erstaunlicherweise hat die Anzahl betreibbarer Betten im Laufe des Jahres abgenommen. Heute gibt es knapp 3800 betriebsbereite Betten weniger als vor einem Jahr. Selbst auf dem Höhepunkt der dritten Welle Ende April gab es mit 23 900 Betten knapp 1600 mehr als im jetzigen Corona-Herbst.

Das zeigt, dass das Gesundheitssystem solche Prozesse nicht steuern kann. Das System muss den Belangen der Gesellschaft angepasst werden, nicht die Gesellschaft einem überforderten Gesundheitssystem.

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Warum die Kliniken schlechter dastehen als vor einem Jahr – obwohl es weniger Corona-Patienten gibt (NZZ)

Fehlende Intensivbetten - Das stinkt zum Himmel (CICERO)

Wie schon im Herbst 2020 mehren sich derzeit die Meldungen, nach denen die Intensivstationen allmählich an ihre Grenzen stoßen. Damals hat der Gesundheitsökonom Matthias Schrappe errechnet, dass die Datengrundlage für diese Behauptung fehlerhaft ist – ein Vorwurf, der später auch vom Bundesrechnungshof erhoben wurde. Wie also ist die aktuelle Lage tatsächlich einzuschätzen? Cicero traf Schrappe zum Interview.

Donnerstag, 18. November 2021

Impfdurchbrüche? Schützt die Geimpften und Genesenen vor den Ungeimpften!

 Corona Pandemie

Impfdurchbrüche? Schützt die Geimpften und Genesenen vor den Ungeimpften!

Nachfolgender Vorfall in einem Altenheim in der Schorfheide zeigt das tatsächliche Infektionsproblem. Ja, auch Geimpfte können sich und andere infizieren. Deshalb vergeht auch keine Magazinsendung im Fernsehen, in der das nicht Thema ist und die Moderatoren nicht penetrant darauf  hinweisen. Warum wohl? Vielleicht weil unter Journalisten sehr viele ungeimpft sind?

Jetzt ist die Katastrophe da. Auch weil in den Medien und in Teilen der Politik Ungeimpfte gehätschelt und penetrant auf deren drohende Einschränkung ihrer vermeintlichen Freiheit hingewiesen wurde. Keiner traute sich, frühzeitig Nägel mit Köpfen zu machen und Geimpfte und Genesene vor den Ungeimpften zu schützen, damit die Verbreitung des Virus unter Geimpften minimiert werden konnte.

Keiner weiß oder will wissen wo oder wie sich Geimpfte anstecken.

In verschiedenen Studien wurde untersucht wie ansteckend Geimpfte sind. Exakt bestimmen lässt sich das nicht. Fest steht aber, dass sie das Coronavirus deutlich seltener weitergeben. Hinzu kommt, dass sie sich selbst seltener infizieren und damit grundsätzlich seltener zum Überträger werden. Das gilt vor allem, wenn sie auf Veranstaltungen unter sich bleiben. Es dürfte also unwahrscheinlich sein, dass sich Geimpfte und Genesene untereinander anstecken. Erst wenn diese mit ungeimpft Infizierten zusammentreffen ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass dann das Virus in den Reihen der Geimpften weiterverbreitet werden kann.

Also ist es richtig, das Risiko zu minimieren! Deshalb 2G! Die Ungeimpften von den Geimpften und Genesenen im öffentlichen Raum trennen!

Leiter kam infiziert zur Arbeit, Hälfte der Mitarbeiter ungeimpft: Jetzt 11 Tote nach Altenheim-Ausbruch (Focus-Online)

Nach dem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee hat sich die Zahl der Toten auf elf erhöht. (Inzwischen soll sich die Zahl der Toten auf 14 erhöht haben).

Das teilte der Landkreis Barnim am Montag mit. Zunächst hatte die "B.Z." berichtet. Zudem seien 44 Bewohner und 15 Mitarbeitende der Einrichtung im Ortsteil Altenhof an Covid-19 erkrankt, berichtete Landkreissprecher Robert Bachmann der dpa.

Die betroffenen Heimbewohner seien alle über 80 Jahre alt gewesen und hätten Vorerkrankungen gehabt. Seinen Angaben zufolge liege laut Amtsärztin Heike Zander die Impfquote der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtung bei lediglich etwa 50 Prozent. Gegen den Leiter der Senioren-Einrichtung sei ein Bußgeldverfahren verhängt worden, weil er nach einem positiven Testergebnis das Heim nochmals betreten hatte. Die Ursache für den Ausbruch sei aber noch unklar.

Freitag, 5. November 2021

Fehlende Intensivbetten - Das stinkt zum Himmel

Fehlende Intensivbetten - „Das stinkt zum Himmel“

Wie schon im Herbst 2020 mehren sich derzeit die Meldungen, nach denen die Intensivstationen allmählich an ihre Grenzen stoßen. Damals hat der Gesundheitsökonom Matthias Schrappe errechnet, dass die Datengrundlage für diese Behauptung fehlerhaft ist – ein Vorwurf, der später auch vom Bundesrechnungshof erhoben wurde. Wie also ist die aktuelle Lage tatsächlich einzuschätzen? Cicero traf Schrappe zum Interview.

Professor Dr. med. Matthias Schrappe ist Internist und Gesundheitsökonom. Neben zahlreichen Lehraufträgen in Köln, Marburg und Trier war er unter anderem Hauptamtlicher Ärztlicher Direktor des Marburger Universitätsklinikums sowie wissenschaftlicher Geschäftsführer der Medizinischen Fakultät der Universität Witten/Herdecke. Schrappe war Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Zusammen mit einer Autorengruppe hat er in den letzten Monaten zahlreiche Stellungnahmen zur Corona-Pandemie veröffentlicht und unter anderem den sogenannten DIVIgate-Skandal ins Rollen gebracht. 

Herr Schrappe, eine alte Baderegel unter Schwimmern besagt, dass man niemals um Hilfe rufen soll, wenn man keine Hilfe benötigt. Nun haben Krankenhäuser und Intensivmediziner im letzten Corona-Winter immer wieder mal lautstark um Hilfe gerufen, weil ihrer Einschätzung nach die Intensivstationen vollliefen und die Krankenhäuser an ihr Limit kämen. Sie, und später auch der Bundesrechnungshof, haben indes nachgewiesen, dass die Daten, auf denen der damalige Alarmismus fußte, lückenhaft, ja in Teilen sogar falsch waren. Nun beginnt erneut der Herbst, und es wird abermals laut gerufen. Wie glaubhaft ist das alles?

Das ist überhaupt nicht glaubhaft. Die Verbände und diejenigen, die da unentwegt rufen, sollte man lieber mal an ihren eigentlichen Auftrag erinnern. Und die Krankenhausträger wiederum sollte man verpflichten, ausreichend Personal zur Verfügung zu stellen. 

Der Bundesrechnungshof hat damals unter anderem darauf hingewiesen, dass der Bund bereits im Februar 2020 gut 14.200 Beatmungsgeräte zusätzlich besorgt habe. Davon seien aber lediglich 4.500 tatsächlich von den Krankenhäusern abgerufen worden. Wo sind denn all die anderen Beatmungsgeräte hin? 

Das ist eine von vielen interessanten Fragen. Ebenso wurden ja auch 600 Millionen Euro für die Neuanschaffung von Intensivbetten bereitgestellt, die anschließend von den Krankenhäusern vereinnahmt worden sind. Diese Betten aber sind gar nicht da, oder sie sind noch immer eingepackt. Warum also, so muss man sich fragen, wird das Geld nicht zurückgezahlt?