Montag, 2. Mai 2022

Lauterbachs Wissenschaftler Streit

Lauterbachs Wissenschaftler-Streit 

Mal wieder eine kernige Auseinandersetzung in der Corona-Politik: Nachdem Chefvirologe Christian Drosten aus dem Sachverständigenausschuss ausgeschieden ist, der bis Ende Juni für Bundesregierung und Bundestag das Infektionsschutzgesetz evaluieren soll, wird der Graben in der Bewertung der Corona-Politik deutlich, der Politik, Gesellschaft und Wissenschaft teilt.


In Sachen Wissenschaft steht Drosten auf der einen Seite, der Bonner Virologe Hendrik Streeck auf der anderen.
Drosten hatte am 25. März in einer Videokonferenz mit den Beiratsmitgliedern, SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas eine abschließende wissenschaftliche Bewertung der Corona-Politik durch den Ausschuss bis Ende Juni als unmöglich bezeichnet. Kernschwierigkeit ist die Frage, ob Masken hilfreich gewesen sind in der Pandemiebekämpfung. Ein eindeutiges Votum sei kaum denkbar, dafür brauche man mehr Zeit, Daten und Expertise.

Streeck dagegen, so hören wir von denen, die es wissen, wollte ebenso wie die stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, ein Ergebnis vorlegen. Allerdings eher als Zusammenstellung von bereits existierenden Studienergebnissen – sagen seine Skeptiker.
“Wenn wir jetzt auf Sommer 2023 schieben, können wir es auch sein lassen”, hören wir von einem Mitglied des Expertenrats.

Drosten hatte auch die Durchstechereien aus dem Gremium kritisiert, das sei wie bei Ministerpräsidentenkonferenzen. Die Nachrichten landeten binnen Minuten in der Öffentlichkeit. Im Verdacht: Streeck.

Lauterbach muss die freie Stelle nun neu besetzen. Doch viele Virologen vom Range Drostens gibt es nicht. Melanie Brinkmann wäre eine Kandidatin. Aber: "Wer will schon gegen Streecks Methoden ankämpfen", heißt es aus dem Lager der Drosten-Linie.
Klar ist: Es muss eine Bewertung der vergangenen Jahre geben. Die Frage der Impfungen und der Maskenpflicht seien auch wissenschaftlich klar zu beurteilen, heißt es. Einen Vor-Entwurf für die Evaluierung habe es schon gegeben.
Lauterbach bat nun in einem Schreiben an Parlamentspräsidentin Bas um einen abgespeckten Auftrag an die Kommission. Es könne nur vorläufige Ergebnisse geben.

Sonntag, 10. April 2022

 Scheitern der Impfpflicht  

 Endspiel einer vermasselten Pandemiebekämpfung

Das Scheitern des Impfpflicht-Antrags im Bundestag ist nicht nur eine Niederlage für Olaf Scholz und Karl Lauterbach. Es ist das Waterloo der gesamten deutschen Corona-Politik. Jetzt steht auch in Deutschland an, was in den meisten Ländern Europas schon Realität ist: ein rationaler Umgang mit Covid-19.

Deutschland im Akademisierungswahn

 Handwerkermangel -  

Deutschland im Akademisierungswahn

Eklatanter Fachkräfte- und Handwerkermangel bedrohen den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ein Grund dafür ist die Vernachlässigung des dualen Ausbildungssystems. Es ist politisch gewünscht, dass möglichst jeder das Abitur erreicht. Doch der Akademisierungswahn der deutschen Bildungspolitik gefährdet Wohlstand und Fortschritt.

Dienstag, 29. März 2022

Die Sorgen von Qualitätsmedien

 Die Sorgen von Qualitätsmedien.

Ein Teil der deutschen Medien beschäftigt sich mit den wirklichen Problemen, Sorgen und Nöten der Menschen in diesem grausamen Vernichtungskrieg Russlands gegen die Ukraine.

So die Süddeutsche Zeitung:
Krieg und Geschlecht:

Männer kämpfen, Frauen bringen die Kinder in Sicherheit

Von Meredith Haaf
Fördern bewaffnete Konflikte alte Geschlechterrollen? Ein Gespräch mit Historikerin Claudia Kraft über Präsident Selenskijs Maskulinität, ukrainischen Feminismus und deutsche Vorurteile.
Während volljährige Männer unter 60 die Ukraine derzeit nicht verlassen dürfen und das Land verteidigen sollen (Anm.: Ja. Und zwar Männer, die sich nicht dafür halten oder die es sein möchten, sondern, die so geboren wurden), während zunehmend männliche Freiwillige aus anderen europäischen Staaten die Ukraine militärisch unterstützen, verlassen Millionen Frauen das Kriegsgebiet. An ukrainischen Bahnhöfen und an der Grenze spielen sich dramatische Abschiedsszenen zwischen Frauen und Männern, Vätern und ihren Familien ab. Was passiert mit Gleichberechtigung und Geschlechterrollen, wenn Krieg ist? Die Historikerin Claudia Kraft arbeitet an der Universität Wien zu vergleichender europäischer Zeitgeschichte und zu Geschlechterverhältnissen in Mittel-und Osteuropa.

Dienstag, 22. März 2022

Corona und die Medien

 Corona und die Medien

„Normalbürger müssen sich keine großen Sorgen machen“

Von Frank Lübberding

Seit Anfang 2020 prägen die Medien unseren Blick auf Corona. Doch haben sie die Krise mit all ihren Unsicherheiten angemessen abgebildet? Eine chronologische Liste exemplarischer Aussagen aus den letzten zwei Jahren – besonders eine Tendenz fällt auf.

Am Anfang der Pandemie gab es eine grundlegende wissenschaftliche Einsicht: Unser Wissen über ein neues Virus ist immer vorläufig. Es wird also neue Erkenntnisse und darauf beruhende veränderte Schlussfolgerungen geben. Unter dieser Prämisse ist der Irrtum die Grundlage des Fortschritts.

Von dieser Einsicht hat sich die deutsche Gesellschaft sehr schnell verabschiedet. Bald ging es in der Debatte nicht mehr um die Wissenschaft und deren Diskurse, sondern um die Legitimation politischer Entscheidungen. Diese sind in Demokratien zwangsläufig umstritten. Menschen haben unterschiedliche Interessen. Sie setzen in ihrem Wertegefüge unterschiedliche Prioritäten. Gruppen mit gesichertem Einkommen in der Pandemie schätzen die Risiken staatlicher Pandemiebekämpfung anders ein als solche, deren wirtschaftliche Existenzgrundlage zerstört wird.

Unsere Übernahme des chinesischen Lockdown-Modells im März 2020 war der Kern politischer Konflikte. In freien Gesellschaften werden solche offen ausgetragen, eine wichtige Rolle spielen dabei die Medien. Dort gab es eine beunruhigende Entwicklung zu beobachten. Konflikte wurden nicht mehr als legitim betrachtet, sondern der politische Gegner zunehmend als illegitimer Feind angesehen.

Diese Zitatensammlung ist der Versuch einer Rekonstruktion dieser Konflikte. Die Auswahl ist subjektiv, vieles fehlt, darunter fremde und eigene Irrtümer. Niemand erwartete im Januar 2020, was uns in den kommenden beiden Jahren bevorstehen würde. Die Zitate haben folglich nicht den Zweck, anderen ihre Fehleinschätzungen vorzuwerfen. Hier sitzen alle Medien im selben Glashaus.

Die Sammlung soll vielmehr den kritischen Sinn für einen Diskurs schärfen, der sich in einem atemberaubenden Tempo in den Kategorien des Freund-Feind-Denkens verselbständigte. Viele beanspruchten zunehmend einen Monopolanspruch.

Es handelt sich bei dieser Zitatensammlung allerdings nicht nur um einen Rückblick, sondern zugleich um einen Warnruf als Ausblick: Die liberale Gesellschaft droht ihre vielbeschworenen Werte zu verlieren. Einer unserer wichtigsten Grundwerte ist der politische Streit als tragende Säule unserer Verfassung. Entscheidend ist nicht, wer ein Argument formuliert, sondern die Stichhaltigkeit des Arguments. Man muss also in einer Demokratie immer davon ausgehen, dass sogar ein Gegner die besseren Argumente hat.

Zwei Jahre Pandemie in den Medien

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 24. Januar 2020:

„In China wurden allerdings in den vergangenen Tagen mehrere Millionenstädte mit der Einwohnerzahl Nordrhein-Westfalens unter Quarantäne gestellt, zudem die chinesischen Neujahrsfeiern wegen des Coronavirus abgesagt. Man ahnt, was die Welt in den kommenden Wochen beschäftigen könnte. Milchmädchenrechnungen werden wir uns bei dem Thema nicht leisten können.“

n-tv, 27. Januar 2020:

„Zur ‚Einordnung‘ betonte Spahn, dass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder sei als etwa bei einer Grippe. ‚An einer Grippe, wenn sie schwer verläuft, sterben in Deutschland bis zu 20.000 Menschen im Jahr.‘ Auf die Frage, ob in Deutschland wie in China auch die Abschottung ganzer Städte möglich sei, führte Spahn das Beispiel von Masern an, die deutlich ansteckender seien als das Coronavirus. ‚Und wir bekommen auch einen Masern-Ausbruch in Deutschland mit deutlich milderen Maßnahmen in den Griff, als wir sie derzeit in China sehen.‘“

„Zeit“, 28. Januar 2020:

„Harmlos ist das neue Coronavirus aber keinesfalls, gleichzeitig mahnen Wissenschaftler immer wieder zur Besonnenheit.“

Bayerischer Rundfunk, 30. Januar 2020:

„Es gibt natürlich auch die, die immer erregt sein wollen, weil Erregung das Zentrum ihrer politischen Arbeit darstellt. Martin Sellner von der Identitären Bewegung etwa zwitscherte: ‚Das Wuhan Virus verbreitet sich rasend schnell. Offene Grenzen bedeuten auch offene Grenzen für Viren.‘ Wer die Apokalypse zur Basis seines Denkens macht, der schlägt Maßnahmen zu deren Verwirklichung vor. (…) Kein Verkehr mehr, Flugzeuge bleiben am Boden, Züge fahren nicht, quasi Generalstreik, die Wirtschaft erlahmt, Krise, und schon hätte man genau das, was man draußen halten will: das Desaster. Natürlich beteiligt sich auch der Asthma-Anfall für Deutschland, kurz AfD, an der Paranoia-Produktion. Und rechte YouTuber kriegen sich vor lauter Endzeitpsychosen gar nicht mehr ein. (…) Warum sind so viele so leicht mit Verschwörungstheorien zu infizieren?“ (Der Beitrag des Magazins „quer“ wurde inzwischen gelöscht, ist aber hier noch zu sehen, Anm. d. Red.)