Donnerstag, 26. November 2020

AED-Themenwoche: Wie wollen wir leben

Die ARD-Themenwoche 

"Wie wollen wir leben" hätte man eigentlich gleich "Wie wollen Grüne wie wir leben sollen" nennen können, dass wäre ehrlicher.Alexander Rolitschka, JU München 

Passt auch hierzu:

Ausgewogene Berichterstattung? 92 Prozent der ARD-Volontäre wählen grün-rot-rot (Welt)

Wenn der Journalisten-Nachwuchs geschlossen links wählt: Nur noch sehen, was ins Weltbild passt (Focus)

oder wie Dieter Nuhr:

"Wie immer NUHR anders" (ARD

lesenswert:

Volkspädagogik im Mantel der Tiefsinnigkeit (CICERO)

KOLUMNE: GRAUZONE VON ALEXANDER GRAU am 21. November 2020

„Wie wollen wir leben?“, will die diesjährige ARD-Themenwoche wissen. Unter dem Deckmantel der vermeintlich offenen Frage lauert Erziehungsjournalismus, der an ernsthafter Analyse kaum interessiert ist.

Zum Glück gibt es die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Und die weiß, wo es langgeht: Billiger Individualismus oder gar ordinärer Hedonismus sind hier von vornherein verpönt. Bei der ARD denkt man selbstredend sozial, achtsam und verantwortlich. Das „Wir“ nach dessen Leben die Themenwoche fragt, ist daher keine Ansammlung von „Ichs“, sondern ein Kollektiv, das bestimmt, wie der Einzelne zu leben hat...

Nicht wollen, sondern sollen

Die eigentliche Botschaft der Themenwoche ist nicht die Frage, wie wir leben wollen, sondern die unmissverständliche Aufforderung, wie wir leben sollen. Nämlich so, wie man sich das unter den Anhängern von Annalena und Robert vorstellt: nachhaltig, „woke“ und schuldbewusst...

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Samstag, 21. November 2020

ARD-Themenwoche „Wie wollen wir leben?“ - Volkspädagogik im Mantel der Tiefsinnigkeit

ARD-Themenwoche „Wie wollen wir leben?“

Volkspädagogik im Mantel der Tiefsinnigkeit

KOLUMNE: GRAUZONE VON ALEXANDER GRAU am 21. November 2020

„Wie wollen wir leben?“, will die diesjährige ARD-Themenwoche wissen. Unter dem Deckmantel der vermeintlich offenen Frage lauert Erziehungsjournalismus, der an ernsthafter Analyse kaum interessiert ist.

Autoreninfo
Alexander Grau
 ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alle Jahre wieder kommt – nein, nicht das Christkind, sondern die ARD-Themenwoche. Anfangs ohne festen Termin, verordnen sich seit acht Jahren die Sendeanstalten der ARD pünktlich zum November einen gemeinsamen Themenschwerpunkt, der – passend zur Jahreszeit – tiefschürfend und gedankenschwer daherkommt.

Nach Glaube, Gerechtigkeit und Bildung widmet man sich in diesem Jahr angesichts von Corona und anderen Katastrophen der Frage: „Wie wollen wir leben?“ Zugegeben: Schwierige Frage, wenn auch nicht ganz neu. Über das gute und richtige Leben machen sich Philosophen Gedanken, seit sie ihre Profession erfunden haben. Die Antworten pendeln dabei traditionell zwischen dem Aufruf zur Askese, Ermunterung zum epikureischen Genüssen oder irgendwas in der Mitte. Da verliert man leicht die Orientierung.

Wir sind eins

Aber zum Glück gibt es die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland. Und die weiß, wo es langgeht: Billiger Individualismus oder gar ordinärer Hedonismus sind hier von vornherein verpönt. Bei der ARD denkt man selbstredend sozial, achtsam und verantwortlich. Das „Wir“ nach dessen Leben die Themenwoche fragt, ist daher keine Ansammlung von „Ichs“, sondern ein Kollektiv, das bestimmt, wie der Einzelne zu leben hat. Das macht schon der Teaser deutlich, mit dem die Sendeanstalten für ihr Projekt werben.

In erlesenstem Jargon der Engagierten und Problembewussten heißt es da, die Corona-Krise könne eine „neue Sensibilität für Zukunftsfragen“ schaffen, verdeutlichen, „was Globalisierung bedeutet“ und zeigen wie sehr wir „gemeinsam verantwortlich sind“: „Auf dem Weg aus der Krise geht es nun darum, Konsequenzen zu ziehen und Weichen zu stellen.“ Diese skrupellose Aneinanderreihung erbaulicher Textbausteine macht deutlich, worum es hier eigentlich geht: nicht um Diskussion oder Widerstreit, sondern um die Verkündung von Antworten.

Nicht wollen, sondern sollen

Die eigentliche Botschaft der Themenwoche ist nicht die Frage, wie wir leben wollen, sondern die unmissverständliche Aufforderung, wie wir leben sollen. Nämlich so, wie man sich das unter den Anhängern von Annalena und Robert vorstellt: nachhaltig, „woke“ und schuldbewusst.

Damit diese wenig subtile Botschaft nicht allzu autoritär daherkommt und der flauschige Eindruck von Bürgernähe entsteht („Wir sind Deins“), darf natürlich die obligatorische Umfrage nicht fehlen. Die ist zielgruppengenau justiert und richtet sich schon sprachlich („Kann es Fashion ohne Victims geben?“) an die entsprechende Klientel. Wenig überraschend sind daher die Ergebnisse (Stand Freitagmittag): So stimmen 92 Prozent dafür, dass umweltschädliches Handeln etwas kostet, 56 Prozent sind der Meinung, dass Essen keine Privatsache, sondern politisch ist und 84 Prozent denken, dass Klima vor Selbstverwirklichung geht.

Den Gipfel der Infantilität erreicht die ARD aber mit dem zeitgeistig „7Tage7Fragen“ genannten Format. Besagte Fragen lauten etwa: Was ist wichtiger, eigene Kinder oder die Ressourcen der Erde? Würdest Du für immer auf Urlaub verzichten, wenn Du so 12 Eisbären retten könntest? Nie mehr neue Klamotten kaufen oder Auto fahren? – Manche Antworten sind sogar ganz lustig. Die pädagogische Botschaft aber unmissverständlich: Kinder belasten die Umwelt, ebenso Flugreisen, Autos und Konsum.

Pädagogik statt Analyse

Das alles ist ja sogar richtig. Nur: Hier gehen die Probleme erst los. Doch an ernsthafter und kontroverser Analyse solch komplexer Probleme ist man bei der ARD nur dem Anschein nach interessiert. Viel wichtiger ist die gelungene Volkspädagogik: knallharte Politlinie, lustig-flauschig verpackt für die Generation Luisa Neubauer.

Vor zwei Wochen veröffentlichte das Branchenmagazin „Journalist“ eine (nicht repräsentative) Umfrage unter Volontären der ARD. Befragt nach deren parteipolitischen Präferenzen kamen dort Rot-Rot-Grün auf einen Stimmenanteil von 92 Prozent. 57,1 Prozent votieren für die Grünen, 23,4 Prozent für die Linkspartei, 11,7 Prozent für die SPD. Von Diversity und Vielfalt keine Spur. Wohin diese ideologische Monokultur führt, dokumentiert die diesjährige Themenwoche ganz ausgezeichnet.

Sonntag, 1. November 2020

Terror in Frankreich - Samuel Paty

 Umgang mit derselben Art islamistischen Terrors - Finde den Fehler

Frankreichs Staatspräsident Emmanuell Macron zeigt sich nach dem brutalen Mord an dem Lehrer Samuel Paty entschlossen und hat seine Landsleute auf einen langen Kampf gegen den radikalen Islamismus eingestimmt.
Ansprache des französischen Staatspräsidenten in Cicero

"Mit emotionalen Worten und dem Beschwören republika-nischer Werte hat Emmanuel Macron Abschied genommen von Samuel Paty. Der Lehrer war vergangenen Freitag von einem Islamisten geköpft worden".
Cicero dokumentiert die gestrige Rede des französischen Präsidenten in voller Länge - und hier? Bei uns? Nach dem islamistischen Terror-Mord an einem arglosen Touristen in Dresden?  Betretene politische Stille... (Herr Steinmeier oder Frau Merkel: Falls Sie noch kondollieren möchten: Der Ermordete von Dresden hieß Thomas Lips)  

Islamistischer Terror in Dresden - Es stimmt was nicht in diesem Land (Cicero) 

Siehe dazu auch eine Kolumne von Sascha Lobo (SPIEGEL) 

Linke Reaktionen auf islamistischen Terror

"Nach einem rechtsextremen Mord ist Verlass auf linke Empörung in den sozialen Medien. Auf einen islamistischen Mord hingegen folgt Stille, linke Zerknirschtheit - und manchmal sogar Schlimmeres".

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Fake News oder wie die "Welt" einen G7-Gipfel neu erfand

 Wie die "Welt" einen G7-Gipfel neu erfand


An der Geschichtserzählung über das vermeintlich ikonische Bild von Merkel beim G7-Gipfel 2017 stimmt außer dem Datum und den Namen der Beteiligten praktisch nichts. Schon gar nicht, dass sie Trump "ins Gewissen" redete.

Manchmal gibt es ikonische Fotos, in denen sich ein politischer Moment verdichtet. Das Foto sollte allerdings zu diesem Moment passen. Manchmal ist die Versuchung des Journalisten groß, eine Geschichte passend zum Foto zu erzählen. So wie eine Welt-Autorin in ihrem Text über die kommende US-Wahl, Donald Trump und die Unterschiede zwischen der Politik des Präsidenten und Angela Merkel. Das Blatt baut seine Geschichte rund um ein Foto auf, das die Staatschefs der G 7 am 9. Juni 2018 in La Malbaie, Quebec bei der Debatte um das Abschlussdokument zeigt.

Screenprint: Welt.de

Das Foto zeigt Merkel, die sich auf den Besprechungstisch stützt und mit Donald Trump zu reden scheint. In der Bildunterschrift der Welt heißt es: „Momentaufnahme mit Symbolcharakter: Angela Merkel redet Donald Trump auf dem G-7-Gipfel in Quebec ins Gewissen – ohne Erfolg“.

In dem Text selbst heißt es:
„Ein Moment der transatlantischen Entzweiung, eingefangen mit der Kamera: Kanzlerin Angela Merkel stützt die Hände auf den Tisch und lehnt sich energisch nach vorn. Auf der anderen Seite sitzt Donald Trump, die Arme verschränkt, das Kinn trotzig in die Höhe gereckt. Es war der G-7-Gipfel vor drei Jahren – das erste Treffen führender Industrienationen, bei dem ein Dissens in die gemeinsame Abschlusserklärung aufgenommen wurde. Obwohl die anderen sechs Staats- und Regierungschefs argumentierten, lockten, drohten: Der US-Präsident weigerte sich, sich zum Pariser Klimaschutzabkommen zu bekennen.“

An dieser Geschichtserzählung stimmt außer dem Datum und den Namen der Beteiligten praktisch nichts. Um mit dem Foto zu beginnen: Es gibt nicht die eine Aufnahme von der Besprechung, sondern mehrere. Allerdings eben das eine, das damals Merkels Presseteam weiterreichte, und das fast alle deutschen Zeitungen druckten: Merkel, wie sie vermeintlich Trump „ins Gewissen redet“. Der deutsche US-Korrespondent Fabian Reinbold twitterte damals ein Quartett von Aufnahmen, die das Geschehen jeweils aus einer anderen Perspektive zeigen und von den PR-Mitarbeitern der jeweiligen Staatschefs verbreitet wurden:

Wer das Foto der vermeintlichen Merkel-Trump-Konfrontation genau anschaut, dem fällt auf, dass nicht Merkel spricht – sondern Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der neben ihr steht. Und er redet, wie die Aufnahmen unten zeigen, in Richtung des kanadischen Premiers Justin Trudeau auf der anderen Seite des Tischs.

Merkel ist nur Zuhörerin – wie Trump.

Von der Besprechung existieren also zahlreiche Aufnahmen aus allen möglichen Winkeln. Deutsche Medien hätten auch dieses Foto verbreiten können:

Völlig absurd wird allerdings die Welt-Erzählung, wenn die Autorin behauptet, bei dem Treffen (beziehungsweise auf der fotografierten Besprechung am 9. Juni) hätten die Regierungschefs versucht, den störrischen Trump zum Klimaschutz zu bekehren: „Obwohl die anderen sechs Staats- und Regierungschefs argumentierten, lockten, drohten: Der US-Präsident weigerte sich, sich zum Pariser Klimaschutzabkommen zu bekennen.“

Denn um die Pariser Vereinbarung ging es in La Malbaie nur ganz am Rand, verhandelt wurde dazu gar nichts. Den Rückzug aus dem Abkommen hatte Trump schon am 1. Juni 2017 verkündet, also fast genau ein Jahr vor dem Treffen in Quebec. Kein Teilnehmer erwartete ernsthaft, dass der US-Präsident dort eine seiner wesentlichen politischen Festlegungen ändern würde. Schon gar nicht unter Druck. Die Vorstellung von einer Angela Merkel, die dem amerikanischen Staatschef „ins Gewissen redet“, offenbart eine bemerkenswert kindliche Vorstellung vom Ablauf eines Gipfeltreffens.

Bei dem G 7-Treffen von 2018 und dem heftigen Streit über das Abschlussdokument ging es um ein ganz anderes Thema: den Handelsstreit sowohl zwischen den USA und der EU als auch zwischen den USA und Kanada. Kurz vor dem Gipfel hatte die US-Regierung einen Strafzoll von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium für Importe aus der EU und Kanada verhängt. Die EU antwortete mit der Androhung von Sonderzöllen auf mehrere US-Güter, etwa Motorräder von Harley-Davidson und auf Bourbon. Auch Kanada und Mexiko kündigten entsprechende Einfuhrzölle auf amerikanische Waren an. Statt zu einer Entspannung kam es auf dem Treffen in Quebec noch zu einer Streitverschärfung zwischen Trump und Trudeau, die neben dem Handelskonflikt auf eine tiefe Abneigung zwischen beiden beruhte. Während der Konferenz, wütete Trump per Twitter, sei Trudeau in der Handelsfrage noch „mild und sanftmütig“ („mild and meek“) gewesen, um dann die US-Zölle auf einer eigenen Pressekonferenz als „beleidigend“ zu bezeichnen. Trump antwortete umgehend mit neuen Strafzöllen auf kanadische Milchprodukte.

Am 9. Juni schien es noch so, als könnten sich die anderen Staatschefs mit Trump auf einen formelhaften Konsens als Abschlusserklärung einigen. Einen Tag später erklärte Trump, er werde dem Abschlussdokument nicht beitreten.

Im Juli 2018 besuchte der damalige EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Trump in Washington, beide handelten einen Kompromiss aus, mit dem sowohl die angekündigten Stahl- und Aluminiumzölle der USA als auch die Antwort der EU vermieden wurden.

Fazit: Weder fing das Foto von La Malbaie, das laut Welt die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sinnbildlich zeigen soll, eine wirkliche „transatlantische Entzweiung“ ein, noch redet Merkel darauf Trump „ins Gewissen“. Um das Pariser Klimaabkommen ging es auf der Konferenz nicht. Und Merkel spielte auf dem Treffen in Quebec 2018 wie auch bei der späteren Verhinderung des Zollkriegs nur eine Nebenrolle.

„Fast alles, wofür Berlin außenpolitisch steht, lehnt das Weiße Haus derzeit ab“, kommentiert die Welt-Redakteurin weiter – so, als ob Berlin der Taktgeber der Weltpolitik wäre, und die USA (und andere) entweder zustimmen oder ablehnen müssten. Die

„Wiederwahl Trumps“, weiß die Journalistin, „käme aus deutscher Sicht einer Katastrophe gleich“. Was genau wäre dann katastrophal? Und wer bestimmt „die deutsche Sicht“? Journalisten, die in den vergangenen vier Jahren im Monatsrhythmus das Ende Trumps voraussagten? Die ihn wie Der Spiegel 2016 als zerstörerischen Kometen aufs Titelblatt hoben, der auf die Erde zurast („Das Ende der Welt, wie wir sie kennen“)?

Oder eine Redakteurin, deren Text zu Trump wie ein Schulaufsatz wirkt: „Denk dir eine Geschichte zu dem Foto aus“?

Der Welt-Text steht exemplarisch für die US-Berichterstattung vieler deutscher Medien: An Fakten erfährt der Leser wenig bis nichts. Dafür aber alles über die Haltung des Journalisten. Die kennt er allerdings schon mehr als ausreichend.

Mittwoch, 30. September 2020

Corona in Südostasien: Ähnliche Methoden, noch fatalere ökonomische Folgen

Corona in Südostasien: Ähnliche Methoden, noch fatalere ökonomische Folgen


Der Westen und die südostasiatischen Staaten gehen bei Corona einen ähnlichen Weg. Alle starren auf die Zahl der Neuinfektionen. Während Südostasien die Zahl minimieren konnte, gelingt dies im Westen nicht. Das „Versagen“ des Westens wird sich aber unter Umständen zu dessen Vorteil auswirken.

Ebenso wie in Europa vermuten auch in Südostasien viele hinter den Maßnahmen gegen Corona technokratische Willkür und autoritäres Kalkül. Die Gemeinsamkeit so unterschiedlicher Regierungen in so unterschiedlichen Kulturen ist: Jedem Establishment, jeder Regierung hilft die Angst vor Corona, für unverzichtbar zu gelten. Das stärkt die Macht – die großen Zustimmungsraten zu den Regierungsparteien sprechen Bände.

Die Vernebelung der Verantwortlichkeit

Gleichzeitig wird die Verantwortung für Anti-Corona-Maßnahmen sprachlich verunklart. Die umgangssprachliche Redewendung: Restriktionen müssten wegen Corona erlassen werden, ist eine Vernebelungstaktik. Denn wer hat die Verantwortung für den Absturz der Wirtschaft und die Restriktionen der Menschen? Corona? Natürlich nicht. Die Verantwortung haben diejenigen, die diese Entscheidungen treffen und die entsprechenden Maßnahmen durchsetzen. 

Aber wie Schweden zeigt, kann man sich so oder so entscheiden. Nichts ist „alternativlos“ wie den Deutschen oft weisgemacht werden soll.

Die Restriktionen, das Leid, das ökonomische Desaster, sie sind also nicht wegen Corona (scheinbar objektiv) erforderlich. Nein, die Maßnahmen werden subjektiv von Entscheidern nach mehr oder weniger bestem Wissen und Gewissen getroffen. 

Die Verantwortung dafür hat also nicht Corona, sondern die Verantwortung für die Entscheidungen haben die Entscheider. Und das wird sprachlich aus gutem Grund vernebelt. 

Und hier sind sich alle Mächtigen aller Systeme und die sie unterstützenden Medien einig. So zieht man sich aus der Affaire, für etwas verantwortlich zu sein, das sich auch als vollkommen falsch erweisen könnte. Als Grund für die Entscheidung wird immer auf die „Stimme der Wissenschaft“ verwiesen, die die „Wahrheit“ repräsentiere.

Die „Stimme der Wissenschaft“

Wie schnell sich die „Stimme der Wissenschaft“ ins Gegenteil kehren soll, ist am Beispiel des Maskentragens deutlich sichtbar:

Im Februar und März dieses Jahres waren sich die Experten, auch die WHO, einig, dass die herkömmlichen chirurgischen Masken nicht vor Viren schützen würden. Nur Menschen mit Corona-Symptomen sollten Masken tragen, um das Virus weniger zu verbreiten. Menschen ohne Symptome sollten die Schutzmasken besser nicht tragen. Diese Position wurde in den Medien rechthaberisch verbreitet. Virologen, die neuen Heilsbringer, bestätigten in vielen öffentlichen Interviews diese „wissenschaftliche“ Meinung und alle schienen sich einig.

Wenige Wochen später hat sich diese Meinung ins Gegenteil verkehrt. An öffentlichen Orten herrscht nun Maskenpflicht und es wird geraten, so oft wie möglich Maske zu tragen. 

Dieser Kurswechsel um 180 Grad irritierte viele Menschen deshalb nicht, weil die Kosten einer Verweigerung hoch sind. In vielen Medien erscheinen extrem moralisierende Artikel, die sich gegen jene wenden, die diesen Schwenk nicht mitmachen. Wer den Sinn der Maske in Frage stellt, ist ein „Covidiot“, so was ähnliches also wie ein Asozialer. 

Abwertung und Ausgrenzung sind Mittel einer Pädagogik, die das Establishment gegenüber sich und ihren Kindern nicht gelten lassen würde.

Zusätzlich werden in den Medien möglichst drastische Einzelfälle von Corona-Infizierten möglichst detailliert geschildert. Das Ziel: Einerseits die Auflage erhöhen, andererseits Angst zu erzeugen, um so die Maßnahmen durchzusetzen. Aber, was ist, wenn die Covidioten recht hätten?

Masken in Asien

In Asien ist das Tragen von Masken keine kulturelles Neuheit. Aber oft getragen wird sie auch in Asien nicht, obwohl dies in den westlichen Medien so suggeriert wird. In Städten wie Bangkok trugen vor Corona vielleicht 20 Prozent der Städter Masken, auf dem Lande niemand. Inzwischen hat sich das aufgrund von Corona etwas erhöht. Letztlich ist es aber auch Südostasiaten unbequem, ständig seine eigene Luft wieder und wieder einzuatmen, insbesondere in heißen Klimaregionen.

Der Weg Südostasiens

Jahrelang war das Hauptaugenmerk der südostasiatischen Staaten auf Wirtschaftswachstum gerichtet. Das scheint plötzlich keine Rolle mehr zu spielen, seit der Teufel Corona hinter jeder Ecke lauert. Seit Monaten sind die Grenzen dicht, und die Wirtschaftsdaten befinden sich im Sturzflug. Spätestens seit der Jahrtausendwende galt das Wachstum der Tigerstaaten als das Maß der Dinge. Singapur entwickelte sich zur asiatischen Schweiz. Südkorea und Taiwan entwickelten sich und ihre Konzerne zu wirtschaftlichen Hypererfolgsmodellen. Thailand und zuletzt Vietnam versuchten erfolgreich aufzuschließen.

Nun lassen die Maßnahmen der Regierungen die Wirtschaftszahlen tief fallen. Thailand etwa erwartet für 2020 – optimistisch prognostiziert – einen BIP-Fall um minus 15 Prozent. Singapur verordnete der Gesellschaft einen ultraharten Lockdown, der eine Schrumpfung des BIP um 40 Prozent nach sich zog. Auch die Philippinen, Malaysia und Indonesien rutschten tief in die Rezession. Firmenmeldungen über Entlassungen, Verkleinerungen und Konkurse reißen nicht ab. Und die Konsumenten stehen auf der Bremse. Aufgrund der unsicheren Zukunft hält sich jeder beim Kauf zurück.

Angesichts der hohen Infektionszahlen im Westen glaubt in Südostasien zur Zeit niemand an eine baldigen Öffnung der Grenzen. Die südostasiatischen Staaten verfolgen derzeit eine Isolationspolitik. Sie misstrauen besonders dem coronaverseuchten Westen, aber auch den Nachbarn. So bleiben die Grenzen geschlossen und gegenüber dem Erzfeind China sind sie besonders dicht, obwohl die Abhängigkeit von dessen Wirtschaftsmacht besonders hoch ist. Die Produktion für die globalen Märkte scheint plötzlich weniger wichtig als die Zahl der Corona-Infizierten. 

Während in China und in Deutschland die USA bereits als failed state dargestellt wird, ist die Darstellung der USA in den ASEAN-Staaten deutlich ausgewogener. Hier gibt es keine uniforme Anti-Trump-Presse. Die Bestrebung ist, zwischen den Weltmächten ein Gleichgewicht zu halten, und sich im Westen ein ökonomisches Gegengewicht zu China aufzubauen, um die Abhängigkeit von China zu reduzieren.

Corona in den ASEAN Staaten

Die ASEAN-Staaten beheimaten 680 Millionen Menschen und werden vom Westen zunehmend als Alternative zum Markt und Fertigungsstandort China gesehen. Die Investitionen stiegen bis 150 Mrd. Euro im Jahr 2019. Diese Zahl droht aufgrund der geschlossenen Grenzen dramatisch abzustürzen. 

Die Zahlen der Tourismus-Industrie dürften ab März beinahe Null sein. Das hat für Kambodscha, Thailand und die Philippinen dramatische Konsequenzen. Ein wesentlicher Teil der Einwohner erwirbt seinen Reis über Beschäftigung im Tourismus. Jetzt ist deren Existenz bedroht und damit Hunger in Sicht. In keinem dieser Staaten gibt es ein soziales Netz, keinen Wohlfahrtsstaat wie im Westen. Wer nichts hat, bekommt auch nichts vom Staat. Die Mittelschicht lebt dann von ihren wenigen Ersparnissen, die Unterschicht hungert schnell. 

Aber nicht nur die Tourismusindustrie ist am Ende, auch die Handelsströme sind durch die Schließung der Grenzen gekappt. Das trifft den gesamten Außenhandel. Wenn Angestellte und Arbeiter entlassen werden, fallen sie ins Nichts. Hier ballt sich ein sozialer Sprengstoff ohnegleichen zusammen, die Folgen sind unabsehbar. 

Selbst Indonesien, das zunächst tönte, Muslime könnten wegen ihres richtigen Glaubens nicht Corona-krank werden, rudert nach den neusten Infektionszahlen zurück und verhängt im Großraum Jakarta einen harten Lockdown. Ob das gegen Corona hilft, ist offen, sicher ist jedoch, dass dies die wirtschaftlichen Probleme immens verstärken wird.

In Südostasien ist nun nicht mehr das Wirtschaftswachstum das Maß der Dinge, sondern wie im Westen die Infektionszahl. Das Hauptziel: Infektionszahl Null. Je geringer die Infektionszahl, je mehr wird der Erfolg der Regierungen in den Medien gepriesen. Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung liegen plötzlich nicht mehr im Hauptinteresse der Länder.

Die Neu-Infektionen in Südostasien kommen laut Medien und Regierungen seltsamerweise entweder von Rückkehrern aus dem Westen oder von Chinesen, die angeblich illegal eingewandert sind. 

Corona in Deutschland

In den Medien spielt die Zahl der Neuinfektionen die überragende Rolle. Wie das Kaninchen vor der Schlange sind viele gelähmt vor Angst. Aber die Zahl der gemeldeten Infizierten in Deutschland ist eben nicht die Zahl der Infizierten, sondern nur die Zahl der positiven Testergebnisse. Dass es trotz des Anstiegs der positiv Getesteten keine erhöhte Zahl von Schwerkranken auf den Intensivstationen gibt und auch keine nennenswert vermehrten Todesfälle, interessiert überraschenderweise kaum. 

Durch die Medien gepushed, bricht bereits bei der Vorstellung einer Infektion bei vielen Menschen Panik aus, mag diese dann auch noch so harmlos verlaufen. Die relativ wenigen Corona-Patienten im Krankenhaus, im Westen und noch viel weniger im Osten, werden in den Medien als apokalyptische Zeichen präsentiert. Als normales Lebensrisiko gilt Corona nicht, wohl aber eine Erkrankung des Kreislaufsystems, die im Jahr für 350.000 Tote verantwortlich ist.

Die Strategie

Für alle ASEAN-Länder gilt: Aufgrund der Abschottung haben sie es geschafft, die Infektionszahlen extrem gering zu halten. Vietnam hat mit 100 Millionen Einwohnern nur 1.000 Infizierte und 20 Tote. 

Diese Methode klappt aber nur so lange, wie man die Grenzen geschlossen hält. Sollte irgendwann der internationale Tourismus wieder erlaubt werden und die Handelsströme ansteigen, wird die Infektionszahl schlagartig in die Höhe schnellen. Dann war die Grenzschließung umsonst, übrig bleibt nur eine darniederliegende Wirtschaft und eine verarmte Bevölkerung. 

Das Warten auf eine mögliche bezahlbare Massenimpfung gründet auf einer sehr vagen Hoffnung, obwohl sie allüberall in den Medien gehyped wird. Virologe Hendrik Streeck: „Es ist noch nie gegen einen virologischen Killer je ein Impfstoff gefunden worden, nicht gegen HIV, nicht gegen Dengue, Malaria, Tuberkulose oder Hepatitis C.“ 

So scheint die kontrollierte Herdenimmunität Schwedens auf lange Sicht die beste Lösung zu versprechen. Das ist aber der gegensätzliche Weg der ASEAN-Staaten. 

In Deutschland wie in Asien kann man also sagen, dass die Corona Maßnahmen allenfalls zu einer Verzögerung der Virenverbreitung geführt haben. Der Preis dafür ist allerdings extrem hoch. Diese Verzögerung fällt Deutschland jetzt, psychologisch verheerend, zusammen mit einer kommenden Grippewelle im Herbst vor die Füße. 

Dagegen setzte Schweden auf eine kontrollierte Verbreitung und die Herden-Immunisierung zur günstigen Jahreszeit. Dies könnte sich langfristig als die beste Strategie erweisen, obwohl deutsche Mainstream-Medien Schweden auf moralisierend abwertende Weise dafür auf die Anklagebank setzten.

Irgendwann wird wahrscheinlich jedes Land den schwedischen Weg gehen, nur wird man es anders nennen und begründen, um die eigenen Fehler nicht eingestehen zu müssen.